Mittags ins Netz einspeisen und dafür nur ein paar Cent pro Kilowattstunde bekommen: Genau das ärgert immer mehr Besitzer von Solaranlagen in Deutschland. Eine wachsende Nische unter PV-Besitzern nutzt den Überschuss deshalb inzwischen anders und betreibt damit eigene Bitcoin-Mining-Hardware, statt den Strom für wenig Geld ins Netz zu geben.
Im Umlauf ist dafür oft der Begriff Solar-Förderdeckel, der allerdings in die Irre führt. In der deutschen Energiepolitik bezeichnete der Förderdeckel, auch Solardeckel genannt, eine bundesweite Kapazitätsgrenze von 52 Gigawatt, ab der neue Solaranlagen keine Einspeisevergütung mehr erhalten hätten. Dieser Deckel wurde 2020 abgeschafft, bevor er je erreicht wurde, und hat mit der aktuellen Entwicklung nichts zu tun. Tatsächlich treiben drei andere Faktoren die Rechnung: das seit 2025 geltende Solarspitzengesetz, eine ohnehin sinkende Einspeisevergütung und ein für 2027 geplanter weiterer Umbau der Förderung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kein Förderdeckel, sondern Solarspitzengesetz: Seit Februar 2025 wird die Einspeisevergütung bei negativen Strompreisen ausgesetzt, nicht durch eine bereits 2020 abgeschaffte Kapazitätsgrenze.
- Einspeisevergütung sinkt weiter: Von 7,86 Cent pro Kilowattstunde im August 2025 auf rund 7,70 bis 7,71 Cent im August 2026, ein Rückgang von etwa einem Prozent alle sechs Monate.
- 2027 droht das nächste Kapitel: Die feste Vergütung für neue kleine Anlagen soll dann schrittweise durch Direktvermarktung ersetzt werden.
- Kein Selbstläufer: Ein Erfahrungsbericht aus einem privaten Blog zeigt beispielhaft, dass Mining mit Solarstrom nicht automatisch profitabler ist als einfaches Einspeisen.
- Steuerpflicht bleibt unverändert: Unabhängig von der Stromquelle sind Mining-Erträge in Deutschland grundsätzlich zu versteuern.
Bitcoin-Mining mit Solarstrom: Worum es wirklich geht
Das Prinzip ist einfach: Wer eine Solaranlage betreibt, produziert an sonnigen Tagen oft mehr Strom, als das eigene Haus verbraucht. Dieser Überschuss lässt sich entweder gegen die Einspeisevergütung ins öffentliche Netz einspeisen oder direkt vor Ort für den Betrieb von Mining-Hardware nutzen. Wie Bitcoin-Mining technisch funktioniert, welche Hardware dafür nötig ist und wie Halving und Hash Rate zusammenhängen, erklärt unser Artikel Bitcoin-Mining im Detail.
Home-Mining mit Solarstrom ist dabei kein brandneues Phänomen. In einschlägigen Foren und Communities wird das Thema seit Jahren diskutiert, es gibt spezialisierte Hardware-Anbieter für genau diesen Anwendungsfall, und auch ein bekanntes deutsches Verbraucher-Tech-Portal hat sich bereits mit der Frage beschäftigt, ob sich überschüssiger Solarstrom fürs Mining eignet. Eine belastbare Statistik, wie viele Haushalte das in Deutschland tatsächlich praktizieren, gibt es allerdings nicht. Die verfügbaren Suchdaten deuten eher auf eine kleine, aktive Nische hin als auf ein Massenphänomen.
Auch abseits privater Haushalte gibt es Bewegung. Medienberichten zufolge testet die Deutsche Telekom über ihre Tochter Telekom MMS gemeinsam mit einem Bankhaus und einem Industriepartner den Betrieb von Mining-Containern an einem Produktionsstandort in Baden-Württemberg, um dort überschüssigen Solarstrom zu nutzen. Das ist ein industrielles Pilotprojekt und kein Beispiel für Mining im eigenen Zuhause, zeigt aber, dass die Grundidee auch außerhalb von Foren ernst genommen wird.
Das Solarspitzengesetz: Einspeisevergütung bei negativen Strompreisen
Seit dem 25. Februar 2025 gilt in Deutschland das Solarspitzengesetz. Es regelt, was passiert, wenn an der Strombörse negative Preise herrschen, also wenn zeitweise mehr Strom produziert als gebraucht wird. Für Solaranlagen ab 2 Kilowatt-Peak mit Smart Meter sowie für alle Anlagen ab 100 Kilowatt-Peak wird die Einspeisevergütung ab der allerersten negativen Viertelstunde ausgesetzt. Eine frühere Kulanzregel von drei zusammenhängenden Stunden gibt es nicht mehr.
Ausgesetzt heißt nicht komplett verloren: Verlorene Viertelstunden werden am Ende der regulären, 20-jährigen Förderdauer teilweise nachgeholt. Wer heute auf die Vergütung für eine negative Preisstunde verzichtet, bekommt also erst Jahrzehnte später einen Teil davon zurück, und genau in diesem Moment lohnt es sich, den eigenen Strom stattdessen sofort selbst zu nutzen.
Neue Solaranlagen ab 7 Kilowatt-Peak müssen seit der Gesetzesänderung außerdem mit einem Smart Meter und einer zertifizierten Steuerbox ausgestattet sein. Für Anlagen ohne diese Technik gilt seit dem 1. März 2025 wieder eine 60-Prozent-Regel: Sie dürfen maximal 60 % ihrer installierten Leistung ins Netz einspeisen, der Rest muss selbst verbraucht oder abgeregelt werden. Bereits vor dem 25. Februar 2025 in Betrieb genommene Anlagen genießen vollen Bestandsschutz und sind von den neuen Regeln nicht betroffen.
Wie relevant das Thema inzwischen ist, zeigen die Marktdaten der Bundesnetzagentur. Die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen stieg von 301 im Jahr 2023 über 457 im Jahr 2024 auf 573 im Jahr 2025. Eine verlässliche Prognose für das Gesamtjahr 2026 gibt es bisher nicht. In der ersten Jahreshälfte 2026 lag die Zahl mit rund 290 bis 300 Stunden sogar leicht unter dem Vorjahreswert. Jede Stunde mit negativem Preis ist aber eine Stunde, in der Einspeisen finanziell wenig bis nichts bringt und Eigenverbrauch automatisch attraktiver wird.
Die sinkende Einspeisevergütung als zweiter Treiber
Medienberichten zufolge sinkt die reguläre Einspeisevergütung unabhängig vom Solarspitzengesetz ohnehin kontinuierlich. Für die Teileinspeisung kleinerer Anlagen bis 10 Kilowatt-Peak lag sie im August 2025 noch bei 7,86 Cent pro Kilowattstunde, im August 2026 sind es nur noch rund 7,70 bis 7,71 Cent. Alle sechs Monate sinkt der Satz um etwa ein Prozent weiter. Wer den kompletten Strom einspeist statt einen Teil selbst zu verbrauchen, erhält mit bis zu 12,22 Cent pro Kilowattstunde zwar mehr, bleibt damit aber trotzdem weit unter dem Preis, den Haushalte für zugekauften Strom zahlen.
Der Kern der Rechnung: Ein deutscher Haushalt zahlt für Strom aus dem Netz aktuell etwa 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde, bekommt für eingespeisten Strom aber nur einen Bruchteil davon. Diese Lücke zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis macht Eigenverbrauch grundsätzlich attraktiv, unabhängig davon, ob der Strom für den Wäschetrockner, eine Wärmepumpe oder eben Mining-Hardware verwendet wird.
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2027 im Blick: Das mögliche Ende der festen Einspeisevergütung
Für PV-Besitzer könnte sich die Rechnung ab 2027 noch einmal deutlich verändern. Nach aktuellem Stand der Gesetzespläne soll die feste Einspeisevergütung für neue, kleinere Solaranlagen zum 1. Januar 2027 wegfallen. Betreiber müssten ihren Strom dann selbst direktvermarkten, also über einen Vermarkter zu wechselnden Marktpreisen verkaufen, statt einen festen, garantierten Satz zu erhalten.
Vorgesehen ist eine Übergangsfrist von bis zu 36 Monaten, in der neue Anlagen noch eine Übergangszahlung erhalten, bevor die Direktvermarktung verpflichtend wird. Bereits bestehende Anlagen sind von dieser Änderung nicht betroffen. Ob die Pläne in exakt dieser Form kommen, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht endgültig entschieden.

Für die Mining-Debatte ist genau das der eigentliche Knackpunkt: Fällt die feste Vergütung für neue Anlagen komplett weg und bleibt nur ein schwankender Marktpreis, wird ein planbarer, konstanter Eigenverbrauch wie beim Mining tendenziell noch interessanter als heute, weil ein garantierter Mindestpreis fürs Einspeisen dann gar nicht mehr existiert.
Eigenverbrauch statt Einspeisung: Die Rechnung hinter dem Mining-Trend
Die eigentliche Logik hinter Bitcoin-Mining mit Solarstrom ist eine reine Opportunitätskostenrechnung. Wer seinen Solarüberschuss ins Mining statt ins Netz steckt, verzichtet auf die Einspeisevergütung für genau diese Kilowattstunden, gewinnt dafür aber Mining-Erträge in Form von Bitcoin. Ob das am Ende mehr wert ist, hängt von mehreren, sich ständig ändernden Faktoren ab: dem aktuellen Bitcoin-Kurs, der Mining-Difficulty im Netzwerk und der Energieeffizienz der eigenen Hardware.
Genau diese Abhängigkeit macht pauschale Aussagen wie „Mining bringt X Cent pro Kilowattstunde" gefährlich. Ein solcher Wert gilt bestenfalls für einen einzelnen Tag bei einem bestimmten Kurs und einer bestimmten Difficulty, nicht als stabile Rechengröße für die Zukunft. Wer Mining-Hardware kauft, trifft damit auch eine Wette auf die künftige Entwicklung von Kurs und Netzwerkschwierigkeit, nicht nur eine Entscheidung über die Nutzung von Solarstrom.
Lohnt sich das wirklich? Ein Erfahrungsbericht als Gegenprobe
Wie stark diese Unsicherheit die Rechnung beeinflussen kann, zeigt der Erfahrungsbericht eines Nutzers, der sein Selbstexperiment ein Jahr lang in einem privaten Blog dokumentiert hat. Das ist kein wissenschaftlicher Test, aber ein anschauliches Einzelbeispiel. Der Betreiber kombinierte eine 14,4-Kilowatt-Peak-Anlage mit einem Antminer S19j Pro, der im Sommer 2025 an sonnigen Tagen mit bis zu 2.800 Watt lief. Die Mining-Erträge lagen laut seinen Angaben bei ungefähr 1,80 Euro pro Tag bei rund acht Betriebsstunden, verglichen mit einer entgangenen Einspeisevergütung von etwa 0,80 bis 1,28 Euro pro Tag für dieselbe Strommenge.
In diesem Zeitraum fiel der Bitcoin-Kurs von rund 95.000 auf etwa 60.000 Euro, was die Erträge zusätzlich schmälerte. Der Nutzer zieht in seinem Fazit den Schluss, dass Pool-Mining bei ihm unterm Strich weniger einbrachte als einfaches Einspeisen. Die Hardware würde er nach eigener Aussage nicht noch einmal kaufen. Das Beispiel zeigt: Ein neuer gesetzlicher Anreiz macht Mining nicht automatisch profitabel. Die Gesamtrechnung bleibt individuell und hängt von Kurs sowie Hardware ab.
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Praktische und regulatorische Hürden für Heim-Miner
Wer über eigenes Mining mit Solarstrom nachdenkt, muss neben der reinen Wirtschaftlichkeit auch ein paar praktische Punkte einplanen. Ohne Smart Meter und Steuerbox greift bei neuen Anlagen die 60-Prozent-Regel, was die Menge an nutzbarem Überschussstrom von vornherein begrenzt. Mining-Hardware läuft außerdem am wirtschaftlichsten im Dauerbetrieb, während Solarstrom naturgemäß nur tagsüber und saisonal schwankend zur Verfügung steht, was die tatsächliche Auslastung reduziert.
Hinzu kommen Lärm und Abwärme, die bei ASIC-Hardware im Wohnumfeld schnell zum Problem werden können, mehr dazu in unserem Grundlagenartikel zum Bitcoin-Mining. Steuerlich ändert sich durch die Stromquelle nichts: Geminte Bitcoin sind in Deutschland unabhängig davon steuerpflichtig, ob der Strom aus dem Netz oder von der eigenen Solaranlage stammt. Wie diese Besteuerung im Detail funktioniert, erklärt unser Steuerguide zum Krypto-Mining.
Wie CoinTracking bei der Dokumentation hilft
Egal ob sich das eigene Mining am Ende rechnet oder nicht: Jeder Mining-Zufluss bleibt ein einzelner, steuerlich relevanter Vorgang mit eigenem Zeitpunkt und eigenem Euro-Wert. Bei mehreren Wallets oder Pools verlierst du von Hand schnell den Überblick, vor allem wenn daneben noch andere Krypto-Transaktionen laufen. CoinTracking importiert Transaktionen automatisch aus 400+ Börsen, Wallets und Blockchains und hilft dir dabei, Mining-Erträge dem passenden Transaktionstyp zuzuordnen. Aus diesen kategorisierten Transaktionen erstellt der Krypto-Steuerrechner von CoinTracking anschließend einen Report, der sich direkt für die Steuererklärung nutzen lässt.
Fazit
Unterm Strich gilt: Der Begriff Solar-Förderdeckel beschreibt die aktuelle Entwicklung nicht korrekt, das eigentliche Zusammenspiel aus Solarspitzengesetz, sinkender Einspeisevergütung und dem möglichen Umbau ab 2027 macht Eigenverbrauch für PV-Besitzer aber tatsächlich zunehmend interessant. Ob Bitcoin-Mining dabei die richtige Wahl ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn Kurs, Difficulty und Hardware-Effizienz entscheiden am Ende genauso mit wie die Höhe der eigenen Einspeisevergütung.
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